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Ist ranking eine neue kunstrichtung?
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mittwoch 29.9., project space der kunsthalle wien

podiumsteilnehmerInnen: irene athanassakis (univ. f. angew. kunst), günther ogris (SORA institute for social research and analysis),
petra egg und erich praschak (praxis)

 
 


 



günther ogris:

... das erste was mir aufgefallen ist, sind die titel dieser zeitschriften: format, gewinn, capital. offensichtlich geht´s ums geld.

wozu dienen diese kunstrankings? es geht nicht um die ästhetische bewertung von kunstwerken, es wird der zukünftige geldwert der künstler und künstlerinnen abgefragt. kaufhandeln wird eingeschätzt.

aufgrund der methodischen begrenztheit ist es zufall, ob man auf platz 25 oder 26 ist.

schwankungsbreiten oder autokorrelation: die kunstexperten sind keine unabhängigen leute, bei 120 leuten kennen sich sicher 50, die szene ist nicht so groß, daher ist der mittelwert des rankings verzerrt, weiter ist das ranking im format nicht unabhängig vom ranking im gewinn, so wurden z.b. diesselben expertInnen befragt. und weiters bauen die jährlichen rankings aufeinander auf, das ranking 2003 beeinflusst das ranking 2004.

die tatsache, dass die ersten plätze so stabil sind, ist das ergebnis der autokorrelation. der kunstmarkt basiert auf einer relativ eingeschränkten szene, der kreis der käufer ist nicht so groß, die kennen sich untereinander und tricksen untereinander und haben möglicherweise ein interesse, ein ranking zu publizieren und den preis weiter in die höhe zu treiben.
ich frage mich, ob das system nicht schon so weit vernetzt ist, dass auch das ranking ein teil dieses preisbildungsprozesses ist.

unabhängige messungen zu produzieren ist eine Kunst...

erich praschak:

...wir wollten den ball wieder zurückspielen, aus der passiven rolle der gerankten heraustreten.

wir spielen damit, dass das publikum anderen rankings glaubt, und auch unserem ranking glauben wird.

 


wir haben versucht, mit dieser arbeit die hierarchie einer liste, wie sie eben zeitschriften publizieren, zu brechen.
wir wollten weg von der sieger/ verlierermentalität, die solche listen machen.

die liste ist ein wichtiges wort im kunstbetrieb geworden. bist du auf der liste? welche ist egal, obs die documenta, die biennale oder welche auch immer ist, manche messen heißen schon liste....




irini athanassakis:

es waren die städte im alten griechenland, die begannen in wettkämpfen ihre sportler und dichter zu reihen. nach einiger Zeit wurde die frage aufgeworfen, ob sie das tun aus lauter langeweile?...

...ich finde die arbeit legitim, der kunstbetrieb ist sehr wohl von ranking betroffen, wer in der kunst tätig ist, versucht einer klassifizierung bzw. rankings aus dem weg zu gehen, obwohl jede/r sehr wohl präferenzen hat.

es ist schon problematisch zu sagen, das ist mehr wert als das, gab es da widerstand?



petra egg:

... durch die filmische umsetzung des rankingergebnisses wollten wir den ephemeren aspekt betonen, die flüchtigkeit einer solchen auflistung im gegensatz zu einer gedruckten liste.

uns hat gewundert, dass so viele mitgerankt haben, dass es so wenig widerstand gab. das hat unsere annahme bestätigt, dass rankings derzeit einerseits eine modeerscheinung sind, andererseits massive interessen dahinterstehen, die gewahrt werden müssen....