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mina mohandes text 2 biografie home
 

für ihre rauminstallationen verwendet mohandes einfache, für die kunstproduktion
untypische mittel wie z. B. gummiringe – ein material, das selbst im alltag unter
der oberfläche der täglichen arbeitsabläufe verschwindet und schon allein durch
seine form von sich aus zunächst keine präsenz behauptet. mit diesem kunstfremden
material schafft die künstlerin arbeiten, die ein spannungsverhältnis zwischen
volumen und leere erzeugen. denn mohandes behauptet in ihren arbeiten
raumkapazität bzw. -aus dehnung und raumauflösung zugleich.

einerseits könnte man sagen, dass es der künstlerin gelingt, durch anhäufung und
verdichtung eines materials, das per se für sich keinen raum beansprucht, sondern
in der regel raum umschließt und zusammenhält, präsenz herzustellen. andererseits
hat der umkehrschluss die gleiche berechtigung: denn die fülle, die mohandes erzeugt,
besteht gleichsam aus einem vakuum, das auf die formalen eigenschaften des materials
zurückzuführen ist. mohandes wandarbeiten, in denen gummiringe zu ornamentalen
strukturen miteinander verknüpft und mit stecknadeln an der wand befestigt werden,
leben geradezu von den hohl- und zwischenräumen, die sich bei der installation ergeben.
aus der ferne betrachtet, verschwindet das material - wir nehmen die arbeit als fragile
wandzeichnung wahr.
ihre bodenarbeiten, in denen gummiringe einerseits über den ganzen raum verteilt werden
und ihn nicht mehr betretbar machen, andererseits bodenflächen von gummiringen
eingegrenzt, aber gleichzeitig permeable übergänge zum umraum beibehalten werden,
entsteht ein anderer , wenngleich vergleichbarer effekt. hier referieren das material und
seine form auf sich selbst: verdichtung von nichts. In ihren ball-objekten wird dieses
prinzip ad absurdum geführt, indem die gummiringe nichts als sich selbst umschließen.
Das wechselspiel von volumen und leere und die plötzliche verunmöglichung, zwischen
diesen beiden faktoren zu unterscheiden, um eine eindeutigkeit in der künstlerischen
aussage zu erzwingen, erscheint mir als eine wesentliche qualität in der konzentrierten
arbeit von mina mohandes. kennzeichnend für ihre künstlerische praxis erscheint mir
weiterhin, ein einfaches zeichen aus seiner beiläufigkeit und seinem lapidaren
verwendungszusammenhang herauszulösen, es künstlerisch zu verwerten und
umzuwerten und in und mit der arbeit zu konzentration und präsenz zu verhelfen,
ohne seine eigenschaften zu verletzen oder zu negieren.

maren lübbke (bilderheft nr. 149. fotogalerie wien – 1999)